Bild18
    

         Video-Interviews mit

         Prof. Dr. Andrea Budde , Prof. Dr. Dr. Joseph Duss-von Werdt , Pater Anselm Grün , Dr. Wolfgang Hinz , Dr. Eleonore Höfner
         Prof. Dr. Gerald Hüther , Dr. Dr. Gattus Hösl , Prof. Dr. Andreas Kruse , Peter Lemmers , Wolfgang Lippstreu , Prof. Samy Molcho
         Dr. Reiner Ponschab , Adrian Schweizer , Dr. Thomas Steiner , Prof. Götz Werner , Prof. Dr. Josef Wieland
 

         Lexikon -> Fachleute erläutern Stichworte zur Mediation im Video 

Molcho 62

    Professor Samy Molcho                                      

 

    Körpersprache - Die verkannte Informationsquelle

Die Zeichen der Körpersprache zu erkennen, sie richtig zu deuten und selbst anzuwenden, erleichtert jede Art von Kommunikation. Als unbestrittener Experte auf diesem Gebiet gilt Samy Molcho. Sein Buch ”Alles über Körpersprache” steht seit über zwei Jahrzehnten auf den Bestsellerlisten. Welchen Beitrag die Körpersprache zur besseren Kommunikation in der Berufswelt leisten kann, erläuterte Prof. Molcho Ende 2005 im Gespräch mit Susanne Kihm.

 

Herr Prof. Molcho, Sie
kommen aus der
Theaterszene, eine Welt, die
von technischen Berufen
nicht weiter entfernt sein
könnte. Die Bewegungen eines Menschen, seine Gesten, seine Haltung sagen so ungeheuer viel über sein Denken aus, dass es geradezu fahrlässig ist, diese Informationsquelle nicht zu nutzen. Und doch machen gerade technisch orientierte Manager diesen Fehler.

 

 

 

 

 

Was meinen Sie konkret?Stellen Sie sich vor, jemand sollte Ihnen über den Stand eines Projektes berichten. Wie kam er zur Tür herein? Wie steht er vor Ihnen? Locker, mit offenem, geradem Blick, oder nesteln seine Finger nervös am nächst Greifbaren herum? Versucht sein Blick Ihnen auszuweichen? Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie solche Zeichen bemerken. Sie können Ihnen helfen, die gerade gehörte Information einzuschätzen: Haben Sie wirklich alle Informationen erhalten, oder müssen Sie damit rechnen, dass nicht erwähnte Details später all Ihre Planungen zur Makulatur werden lassen?

 

Wie sollte eine
Führungspersönlichkeit auf
solche Signale reagieren?Ich warne davor, zu viel Druck auszuüben. Wenn Sie sehen, dass jemand nicht wirklich offen mit Ihnen spricht, so dürfte es wesentlich wirkungsvoller sein, wenn Sie im Gespräch Ihre Offenheit, auch ein offenes Ohr für die Anliegen Ihres Gegenübers erkennen lassen. Dann wird der andere Vertrauen fassen und Sie werden vermutlich erfahren, was Ihren Gesprächspartner davon abhält, all seine Informationen an Sie weiterzugeben.

 

Was wäre in einer solchen
Situation der größte Fehler?Wer das offene Gespräch sucht, sollte dominante Verhaltensweisen vermeiden. Als dominant empfinden wir alle Bewegungen, die von oben nach unten geführt werden. Unser Gegenüber bekommt nur den Handrücken zu sehen, keine offene Hand, die bereit ist, zu geben und zu nehmen. Gleichgültig, ob ich jemandem auf den Arm tippe, ob ich ein Objekt abdecke, um zu sagen 'Das gehört mir', oder ob ich mit gestrecktem Zeigefinger ein Kommando oder eine Instruktion gebe: 'Das wird so oder so gemacht!'
Solche dominanten Handbewegungen gehören zwar auch in das Repertoire von Führungspersönlichkeiten. Sie übertragen die klare Aussage: 'Ich lasse nicht mit mir reden.' Das muss auch gelegentlich sein. Wir sind allerdings aufgefordert, uns bewusst zu machen, an wen wir uns damit wenden und welche Signale wir durch solche Bewegungen aussenden.

 

Was fördert die
Kommunikation?Sorgen Sie dafür, dass Ihr Gesprächspartner sich anerkannt fühlt. Das kann etwa dadurch zum Ausdruck kommen, dass Sie auf einen Mitarbeiter, der Sie selten aufsucht, zugehen, wenn er Ihr Büro betritt, und nicht beschäftigt hinter Ihrem Schreibtisch warten, bis der Besucher endlich vor Ihnen steht. Konzentrieren Sie sich auf das Gespräch, schauen Sie Ihr Gegenüber freundlich an, neigen Sie vielleicht ein wenig den Kopf, das kann Spannung aufheben.
Aber starren Sie den anderen bitte nicht an, sondern beziehen Sie ihn als Ganzes in Ihren Blick ein, lassen Sie Ihre Augen leicht über sein ganzes Gesicht, über Hals und Brust gleiten. Wenn Sie einen Moment mit sich selbst zu Rate gehen möchten, um über das Gehörte nachzudenken, so senken Sie den Blick kurz nach unten, statt nach rechts oder links zu schauen. Denn sonst könnte beim anderen der Eindruck entstehen, Sie wollten dem Gespräch entfliehen und nicht weiter mit ihm zu tun haben.
Auch wenn Sie nur zuhören, auf ein wenig Mimik sollten Sie nicht verzichten, denn der andere erwartet nicht nur Interesse, sondern auch Reaktion. Wer nicht reagiert, erweckt den Eindruck, als habe das Gehörte keine Wirkung auf ihn.

 

Worauf sollte eine
Führungspersönlichkeit
generell achten?Auf Souveränität! Bemühen Sie sich stets um Gelassenheit, die Sie z.B. durch ruhige Bewegungen und eine tiefere Intonierung Ihrer Stimme zum Ausdruck bringen. Dabei hilft übrigens eine gerade Haltung: Wenn Arme, Beine, Kopf und Hals sich frei bewegen können, wenn der Atem frei durch den Brustkorb fließen und das Blut mit Sauerstoff versorgen kann, strahlen Sie Tatkraft und Selbstvertrauen aus, das sich auf Ihre Mitarbeiter übertragen wird.

 

Die Brust schwellen wie ein
Truthahn  -  das kann nicht
Ihr Ernst sein!Auf gar keinen Fall, das wäre lächerliches Imponiergehabe, das übrigens ebenfalls den freien Energiefluss unterbricht. Einfach nur gerade halten! Aber was heißt hier 'einfach' - natürlich fällt dies schwer, wenn man den lieben langen Tag an den Bürostuhl gefesselt ist. Trotzdem sollte man es versuchen. Dies kommt nicht nur der Wirkung auf andere zugute, man wird sich auch selbst viel besser fühlen.

 

Apropos Gefühle  -  leidet die
Autorität, wenn ein Manager
Mitarbeitern gegenüber
Emotionen zeigt?Wutausbrüche schaden der Souveränität einer Führungspersönlichkeit, das dürfte keine Frage sein. Aber wenn Sie Ihre Mannschaft begeistern wollen, sollten Sie durchaus Gefühl, Ihre eigene Begeisterung zeigen, und zwar in Ihrer Mimik, Ihrer Stimme und in Ihren Gesten! Was die Mitarbeiter mit ihren Sinnen erleben, hinterlässt einen viel stärkeren Eindruck als überzeugende Worte allein. Oder wie reagieren Sie auf den Vortrag eines anderen?

 

 

Das Interview mit Prof. Molcho wurde erstmals veröffentlicht im Magazin DER F&E MANAGER (04/2005). Dort auch illustrierende Fotos, aufgenommen von Tobias Eble

 

nach oben